Seitenständer Aprilia rs 125 replica bj 96

  • Hey,

    Ich fahre selbst eine rs 125 replica bj 96 und habe immer wieder Probleme mit dem Seitenständer. Die befestigung dafür liegt ja genau neben dem Krümmer weshalb ich denke, dass sich dadurch mit der Zeit die Aufnahme zu einem Oval entwickelt hat. Nun muss ich alle paar Wochen die Schrauben tauschen und oder festziehen, weil das Motorrad ansonsten zu schräg liegt und fällt. Hat jemand dasselbe Problem oder weiß wir man es lösen kann...

  • Zeig Mal ein Bild von der ausgeleierten Ständersufnahme am Rahmen.


    Das muss sich vermutlich einer ansehen der Alu Schweißen kann, das würde ich dann aber keinem erzählen, die TÜV Leute mögen nicht wenn am Rahmen geschweißt wurde weil die Hitze je nach Legierung das Gefüge verändern und das Material weicher machen kann (der Rahmen gilt dann als unbrauchbar) ggf. hilft es auch die ovalen Löcher mit Flüssigmetall zu zuschmieren

    Nur was knattert und stinkt, mir Freude bringt :biggrin:

  • Servus d3nn15k


    Blöde Frage: Du hast schon die richtigen Schrauben verwendet, richtigrum reingesteckt und mit dem richtigen Drehmoment angezogen?


    Ich frage deshalb weil die Ständerbefestigung bei meiner auch von den Vorbesitzern total verhunzt war. Schrauben falschrum drin, irgendwelche Unterlegscheiben etc... und auch immer locker. Und dann wird's immer schlimmer weil sich die Anlagefläche vom Rahmen verformt und die Schrauben immer schneller locker werden --> Teufelskreis :pile_of_poo:


    Meines Wissens gehört das für die alte Seitenständer-Platte ohne elektrischen Schalter so:

    -Schrauben M8 mit ganz normalem zylindrischem Kopf (DIN912 Kopfdurchmesser 13) und Innensechskant

    -Die Schrauben von außen nach innen durchstecken, hinten dann jeweils eine ganz normale M8er Mutter drauf mit Schlüsselweite 13. Keine Unterlegscheiben. Evtl. Mal eine Mutter mit Flansch probieren wegen größerer Auflagefläche.

    -Anzugsmoment 20Nm bis 22Nm


    Schick doch bitte mal ein Foto, ob du tatsächlich die von mir vermutete Ständerplatte hast.


    Leider ist das dann auch keine Garantie, dass die Schrauben sich nicht wieder lockern. Bei mir hält die obere, die untere wird auch alle paar Wochen locker. Ist aber schon viel besser geworden, nachdem ich anfangs immer wieder nachgezogen habe und sich die Teile wohl wieder bissl gesetzt haben. Ich habe mich damit arrangiert das immer wieder zu kontrollieren und nachzuziehen wenn das Mopped eh aufgebockt ist.

    Alternative ist nacharbeiten am Rahmen, das hat el bodo ja schon geschrieben.


    VG

    "Heute ist die gute alte Zeit von morgen", Karl Valentin

  • Hallo,

    bei der Problematik mit der Seitenstütze handelt es sich nicht um ein thermisches, sondern mechanisches Problem, denn zum Tempern von gegossenem Aluminium muss der Werkstoff auf mindestens 250°C erwärmt werden, was in Umgebungsluft von einer warmen Abgasbirne schlicht nicht erreicht werden kann.

    Das eigentliche Problem bei der Seitenständerbefestigung ist eine unzureichende Auslegung der Schraubverbindung gepaart mit einem nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch (sitzen auf dem Motorrad in der Seitenständerposition) bei nachlässiger Wartung.

    Zur Ursache:

    Die Befestigung der Aufnahmeplatte aus lackiertem Stahl an der unbehandelten Rahmenoberfläche aus Aluminiumguss ist eine auf Reibung ausgelegte Schraubverbindung. Kommt es durch Setzvorgänge in der Schraubverbindung (Überlastung der Verbindung durch nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch), liegt in der Verbindung kein Reibschluss mehr vor und es ist nun eine auf Scherung belastete Verbindung, die für diese nicht ausgelegt ist. Es kommt zum Aufweiten der Bohrungen in beiden Komponenten.

    Abhilfe:

    1. Bestimmungsgemäßer Gebrauch (nicht lässig auf dem Moped lümmeln, wenn man vor dem Schulhof steht – hab ich auch gemacht, aber nicht auf einer Aprilia)
    2. Schraubverbindung regelmäßig prüfen und ggf. auf das korrekte Drehmoment anziehen.

    Verbesserungsmaßnahmen, wenn die Verbindung schon vorgeschädigt ist:

    1. Prüfen, ob an Rahmen und Seitenstützenplatte Materialaufwerfungen in den Kontaktflächen der Schraubverbindung entstanden sind und diese vorsichtig einebnen.
    2. Kontaktflächen zwischen Rahmen und Seitenstütze reinigen und entfetten (Reibwert erhöhen).
    3. Originalschrauben durch hochwertige Schrauben DIN 912 M8 x 35 10.9 und auch die Mutter auf DIN 934 M8-10 ersetzen. Unter die Mutter gehört unbedingt eine Unterlegscheibe, am besten wäre eine Schwerlastscheibe DIN 6340 (die allerdings nicht überall beziehbar sind) um das Setzen zu verringern.
    4. Dann noch die Schrauben mit Schraubensicherung mittelfest sichern, wenn man keine selbstsichernden Muttern in dieser Güte (10.9) bekommen hat.
    5. Diese, aber auch nur diese mit dem höherwertigen Schrauben, kann man dann mit einem Drehmoment von 46Nm (entspricht 90% Auslastung) anziehen.

    Damit sollte das Problem behoben sein.

  • franz


    Top erklärt. Geb dir Recht mit den Scheiben (Punkt 3). Bei mir war vom Vorbesitzer halt sowas wie auf dem Bild drin und das macht's garantiert noch viel schlimmer. Finger weg.

    Eine belastbare und stabile Scheibe verringert die Flächenpressung und damit die weitere Verformung des Alus. Merke grad, dass ich das tatsächlich selber mal probieren sollte :smiling_face_with_smiling_eyes:



    Machen das Alu vom Rahmen und der Stahl von der Ständer-Platte die 46Nm mit, ohne da selber über die Fließgrenze zu kommen? Ist ja immerhin die doppelte Vorspannkraft verglichen mit den 22Nm.



    1000 Fächerscheiben DIN 6798 Form A galvanisch verzinkt ... <-- :face_screaming_in_fear: :pile_of_poo:

    396 × 396


    VG

    "Heute ist die gute alte Zeit von morgen", Karl Valentin

  • John, deine Bedenken sind berechtigt, aber es geht.

    Aus der Berechnung nach VDI 2230 ergibt sich für eine Schraubverbindung mit Durchgangsbohrung mittel bei einer Schraube M8 – 10.9 und entsprechenden Reibungskoeffizienten Stahl verzinkt trocken ein max. Anzugmoment von 45Nm das eine Vorspannkraft von 27,7kN erzeugt.

    Eine Unterlegscheibe DIN 125 Form A hat bei einer Bohrung im Rahmen von 8.5mm (nachgemessen) eine Auflagefläche von ca. 144mm². Das ergibt eine Flächenpressung (27700N/144mm²=192N/mm²) 192 Mpa.

    Da Aprilia die Werkstoffnummer für seinen Rahmen leider nicht angibt, gehe ich mal den von den Werkstoffeigenschaften schlechtesten Kokillenguss aus und nehme die Werte für einen GK-ALSI9CU3. Für diesen Werkstoff ist nach VDI 2230 eine zulässige Grenzflächenpressung von 200MPa hinterlegt. Wenn wir auf der Kopfseite von einem S235 ausgehen, haben wir eine Grenzflächenpressung von 490MPa.

    Es ist also am Rahmen keine große Sicherheit gegen fließen vorhanden. Der sicherste Weg führt zu einem Unterlegblech auf der Innenseite des Rahmens, das über beide Bohrungen geht und die Grenzflächenpressung weiter verringert (leider ist der Kreisquerschnitt um die Bohrungen nicht besonders üppig dimensioniert.